Heidelberger Interaktionstraining

Heidelberger Interaktionstraining für pädagogisches Fachpersonal zur alltagsintegrierten Sprachförderung ein- und mehrsprachiger Kinder

Einleitung

Das "Heidelberger Interaktionstraining für pädagogisches Fachpersonal zur alltagsintegrierten Sprachförderung ein- und mehrsprachiger Kinder HIT Kiga" (Buschmann & Jooss) ist eine Adaptation des „Heidelberger Elterntrainings zur frühen Sprachförderung“ (Buschmann 2011) und dient seit 2009 zur Professionalisierung des pädagogischen Fachpersonals in der Kita. Es zielt darauf ab, Fachkräfte zu einem sprachförderlichen Interaktionsverhalten in natürlichen Kommunikationssituationen zu befähigen.


Organisation

Die Interaktionstrainings HIT Krippe und HIT Kiga werden im ZEL-Heidelberg als fünftägige Fortbildung (à 4,5 Stunden) in einer Gruppe von maximal 15 TeilnehmerInnen angeboten. Die Sitzungen finden im Abstand von etwa vier Wochen statt, sodass die Fachkräfte über einen Zeitraum von etwa fünf Monaten begleitet werden.

Im ZEL-Heidelberg gibt es zweimal jährlich das Angebot am HIT Krippe und HIT Kiga teilzunehmen. Auf Anfrage führen wir dies gerne auch in anderen Städten und als  Team-Fortbildung in Ihrer Kita durch.
Zur Steigerung der Nachhaltigkeit hat sich im Anschluss an eine HIT-Teilnahme ein individuelles oder Teamcoaching inkl. Fall- und Videosupervision im Abstand von einem halben bis ein Jahr bewährt.

Hinweis
Für Fachpersonen, die in Einrichtungen mit einem hohen Anteil an mehrsprachigen Kindern arbeiten, bieten sich die 3 Seminare der zertifizierten Weiterbildung Mehrsprachigkeit an:


Seminar: Mehrsprachigkeit I / Mehrsprachig Aufwachsen (eintägig)
Seminar: Mehrsprachigkeit II / Mehrsprachig erziehen (eintägig)
Seminar: Mehrsprachigkeit III / Elternabend leicht gemacht (eintägig)


Diese drei Seminare bauen aufeinander auf und sind wie das HIT sehr praktisch ausgerichtet. Somit verfügen die Fachpersonen nach der Teilnahme über ein gutes Grundlagenwissen zum mehrsprachigen Aufwachsen und sind sich sicher in der Beratung mehrsprachiger Familien zum Umgang mit verschiedenen Sprache in Familie Institution. Ein Elternabend zum Thema kann professionell und überzeugend durchgeführt werden.
Die Termine finden Sie hier.


Inhalte

Die zentralen Inhalte des Heidelberger Interaktionstraining (HIT) orientieren sich am „Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung“. Beide Konzepte verfolgen identische Ziele, nämlich die Bezugspersonen ein- oder mehrsprachig aufwachsender Kinder zu einem sprachfördernden Interaktionsverhalten zu befähigen, um den Kindern bessere Sprachlernmöglichkeiten zu bieten. Fachkräfte erwerben jedoch ein umfangreicheres Grundlagenwissen als die Eltern zu folgenden Themen: Ablauf der frühen Sprachentwicklung, Verzögerungen und Störungen im Spracherwerb, Methoden der Früherkennung von Sprachauffälligkeiten Aufbauend auf diesem Basiswissen lernen die Fachkräfte, situationsübergreifend eine sprachförderliche Grundhaltung gegenüber den Kindern einzunehmen. Sie erfahren, wie sie bestimmte Situationen – z. B. das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern oder das gemeinsame Spiel – gezielt sprachförderlicher gestalten können und welche Verhaltensweisen sich eher hemmend auf die kindliche Sprechfreude auswirken. Viel Wert wird auf den Transfer geübter Verhaltensweisen in alltägliche Situationen innerhalb der Einrichtung gelegt. Wichtig ist, zwischen Situationen, in denen ein Einzelkontakt mit dem Kind möglich ist (wie beim Wickeln oder Anziehen), und Situationen, die in der Gruppe stattfinden (wie das gemeinsame Essen), zu unterscheiden. Neben dem Grundprinzip „Das Kind aktiv werden lassen“ lernen und üben die Teilnehmer, gezielt Sprachlehrstrategien zur Modellierung kindlicher Äußerungen einzusetzen. Auch Aspekte wie motivierende und offene Fragen zu stellen, insbesondere bei der Bilderbuchbetrachtung und dem dialogischen Lesen werden ausführlich theoretisch erarbeitet, praktisch geübt und supervidiert.


Methoden

Das Heidelberger Interaktionstraining wird in hohem Maße praxisorientiert durchgeführt. Die Module bauen systematisch aufeinander auf. Die Vermittlung der Inhalte geschieht multimedial unter Verwendung verschiedener Methoden aus der Erwachsenenbildung. Die Wertschätzung der Teilnehmer als kompetente Fachpersonen spielt eine tragende Rolle. Im Vordergrund steht das gemeinsame Erarbeiten theoretischer und praktischer Inhalte unter Einbeziehung des Wissens und der praktischen Erfahrungen der Teilnehmer. Mittels Videoclips werden verschiedene Lerninhalte erarbeitet und anschließend aktiv in Kleinstgruppen ausprobiert. Das gezielte und intensive Üben sprachförderlicher Verhaltensweisen im Rahmen des Trainings kann wesentlich zu einem raschen und erfolgreichen Transfer in die direkte Arbeit mit den Kindern beitragen. Die Zeit zwischen den Sitzungen dient dazu, Erfahrungen mit den Lerninhalten zu sammeln. Die Empfehlung an die Teilnehmer, sich zunächst auf die Interaktion mit 1–3 Kindern, die sprachverzögert sind oder noch wenig Deutsch sprechen zu konzentrieren, erhöht die Wahrscheinlichkeit, rasche Erfolge bei den Kindern zu erzielen. Das fördert wiederum die Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit, die eine unabdingbare Voraussetzung für eine langfristige Verhaltensänderung ist. Einen Schwerpunkt bildet die Videosupervision einer aktuellen Interaktionssituation mit einem sprachauffälligen Kind in der Einrichtung: Sie kann jeden Teilnehmer zu einer vertieften Reflexion des eigenen Verhaltens veranlassen, ein individuelles Feedback geben und zudem ein intensives Modelllernen für alle Teilnehmer ermöglichen.

Zu den Inhalten jedes Fortbildungsmoduls steht umfangreiches Begleitmaterial zur Verfügung.


Effektivität

Die Wirksamkeit des Heidelberger Interaktionstrainings im Hinblick auf eine Veränderung des Interaktionsverhaltens der pädagogischen Fachkräfte gegenüber sprachauffälligen Kindern konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden (Simon & Sachse 2011; Jungmann et al. 2013). Zudem fanden sich Belege für signifikante Auswirkungen auf die rezeptiven und expressiven sprachlichen Fähigkeiten ein- oder mehrsprachig aufwachsender sprachauffälliger Klein- und Vorschulkinder (Buschmann & Jooss 2011; Jungmann et al. 2013; Simon & Sachse 2013).